Nikolaus-Spielrunde


Kontaktperson:
Manfred Martin
Kneippgasse 13
EMAIL: pfarre.goetzis@vol.at


Da ich heuer schon zum neunten Mal den Nikolaus darstellen und zu den Familien kommen darf, möchte ich einmal einen typischen Abend des 6. Dezembers, wie ich ihn erlebt habe, schildern. Nachdem Schnee angesagt war, hielt sich die Begeisterung in der Runde der „Nikolauskollegen“ stark in Grenzen, das Gebiet „am Götzner Berg“ zu übernehmen. Da ich, als aus Bergregionen zuge-wanderter Wahlgötzner, mit dem Schnee keine Schwierigkeiten habe, ist der Götznerberg somit nun schon fast mein Stammgebiet als Nikolausdarsteller geworden.

Bei der ersten Familie erwartete mich die Hausfrau schon mit einem langen Zettel, der eher wie ein Sündenregister klang: Er soll nicht …, er darf nicht dauernd … Die Litanei gipfelte darin, dass der Kleine nicht mehr in die Hosen machen sollte, der Große einen Monat Fernsehverbot hätte und die Tochter alleine in Ihrem Bett schlafen solle. Ich frage mich, wie ich mit diesen Kindern nun ein Nikolausfest feiern soll, wenn die Eltern eine Erziehungsveranstaltung daraus machen wollen. Als ich aber sehe, dass die Kinder ihr Klosaholz bereitgelegt haben und auch Gedichte vortragen und Lieder singen wollen, ist die Feier gerettet. Weiter geht es zum nächsten Haus, wo anstatt der 4 angemeldeten Kinder noch die halbe Verwandtschaft dazugekommen ist. Das bringt zwar den Zeitplan durcheinander aber das „Niklaus ist ein guter Mann“ klingt aus so vielen Kehlen umso besser. Nachdem auch der Opa und der Onkel ihr Säckchen für die Mithilfe am Bau bekommen haben, wird uns beim Gehen noch ein Heidelbeer-likör angeboten, den ich aber unter Hinweis auf den weißen Bart ablehnen muss.

Am nächsten Ort angekommen, werden wir in der Küche schon mit Gitarrenmusik und Gesang empfangen. Man merkt, dass sich die Kinder mit ihren Eltern auf diesen Abend vorbereitet haben. Die Freude wohnt auch ohne unser Zutun schon in diesem Haus und Ruprecht und ich genießen das Fest sehr. In diesem Moment überlege ich mir, wer eigentlich die Beschenkten sind. Die Kinder, welche mit strahlenden Augen ihr Säckchen holen kommen, wenn ich sie rufe, oder wir Erwachsenen, die mit ihnen feiern dürfen.

In der nächsten Familie stehen Ruprecht und ich in einer engen Küche zusammen mit drei Kindern, Mama, Tante und Oma. Nachdem ich mit den Kindern über Nikolaus und seine Taten gesprochen habe, frage ich nach dem Vater, von dem ich vermute, dass er Schicht arbeitet. „Der Papa und der Opa schauen sich im Wohnzimmer das Fußballmatch an“ berichtet mir der Kleinste. Ich denke mir noch, dass der Nikolaus in diesem Fall wohl doch nicht die Attraktion des Abends ist und wünsche auch den beiden Herren im Nebenzimmer ein gesegnetes Nikolausfest. Später an diesem Abend höre ich beim Eintritt in ein Haus zum ersten Mal den Ruprecht murren, weil er die Berge von Geschenken nicht in den Sack bringt. Auch die Liste mit den Vorzügen und Verfehlungen der Kinder kann ich trotz Computerausdruck nicht zwischen Tür und Angel memorieren. Ich werde mich im kommenden Jahr wohl für einen Schnelllesekurs anmelden. Als ich aber von den Kindern mit Zeichnungen vom Niko-laus beschenkt werde und auch die Großen beim obligaten „Niklaus ist ein Guter Mann“ unter Zuhilfenahme von Textblättern mitsingen, kommt doch noch die Stimmung auf, von der jeder „Klos“ lebt, die uns manch langen Weg und die vielen Vorbe-reitungen vergessen macht. Wir besuchen noch einige Familien an diesem Abend, der Bart kratzt von Haus zu Haus mehr, der Hut drückt und die Kehle wird rauh. Doch das gute Gefühl steigert sich mit jedem Händedruck, mit jeder selbstgebastelten Nikolausfigur, mit jedem verklungenen Lied.

Darum möchte ich Euch allen danken, dass wir mit Euch Nikolaus feiern dürfen. Denn die Freude, die Euch Eltern und Euren Kindern zuteil wird, erfahren auch wir.

Jürgen Schwarzmann