Elisabeth von Thüringen




Im Zyklus der Seligpreisungen der Bergpredigt wird in einem Fenster der Kirche die Hl. Elisabeth als Vorbild für Barmherzigkeit dargestellt. Ihre Lebensgeschichte zeigt aber, dass sie auch für das Thema: „Selig sind, die Verfolgung leiden..“ stehen könnte. Sie war eine Frau in einer Männergesellschaft, die als Spielball der Mächtigen missbraucht wurde.

Elisabeth wurde 1207 als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. in Nordungarn, vermutlich im heutigen Pressburg, geboren. Schon im Alter von einem Jahr wurde sie mit dem späteren Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen verlobt und ab 1211 am thüringischen Hofe erzogen. 1221, also mit 14 Jahren wurde sie mit Ludwig verheiratet und hatte 3 Kinder. Nachdem Ludwig gestorben war, verließ Elisabeth unter dem Druck ihres Schwagers (oder um in freiwilliger Armut zu leben?) die Wartburg und kam 1227 nach Marburg a.d.Lahn. Ihr Beichtvater Konrad von Marburg hielt sie zu strenger Askese an; in dem von ihr gegründeten Franziskanerhospital opferte sie sich im Dienst der Armen- und Krankenpflege auf. Am 17.11.1231 starb die erst 24jährige. Schon 1235 wurde sie von Gregor IX. heiliggesprochen. Ihr Fest wird am 19.November gefeiert.

Die Legende erzählt, dass Elisabeth trotz der Ermahnungen ihres Mannes immer wieder Brot an die Armen verteilt habe. Als sie wieder einmal mit einer Schürze voll Brot unterwegs war, wurde sie von ihrem Mann überrascht. Sie wurde aufgefordert, den Inhalt ihrer Schürze zu zeigen und – o Wunder – die Brote waren zu Rosen geworden.

Elisabeth ist ein Beispiel, wie Frauen im Interesse des Staates bzw. der Macht gebraucht und missbraucht wurden. Schon als kleines Kind wurde sie verlobt (verhandelt) und mit 14 Jahren verheiratet. Persönliche Neigung oder gar Liebe war unwichtig. Der Legende nach zu schließen, dürfte sie auch von ihrem Mann keine besonders liebevolle Behandlung erfahren haben, da er sogar den Armen das Brot neidete. Nach dem Tod ihres Mannes wurde die erst 21jährige Witwe in die Arme der Kirche abgeschoben. Wieweit die von ihrem Beichtvater empfohlene (verordnete?) Askese zu ihrem frühen Tod beigetragen hatte, wissen wir nicht. Aber die bald erfolgte Heiligsprechung glich ja – zumindest in den Augen der Kirche – alles ihr widerfahrene Unrecht wieder aus. Wie sie selbst darüber gedacht hätte, können wir sie leider nicht mehr fragen.

Adolf Vallaster






Die Bilder der Kirchenfenster wurden von Bernhard Häusle zur Verfügung gestellt.
Fotoaufnahmen © 2009 by Bernhard Häusle
http://www.martin-haeusle.de